Routingoptionen für Telefonie via Microsoft Teams




Die Telefonie via Teams bietet neben Kosten- und Ressourceneinsparungen auch den Vorteil, dass Anrufe weltweit aus der Anwendung heraus getätigt und empfangen werden können – egal, ob im Festnetz oder mobil. Dabei kommt das Microsoft Phone System zur Anwendung. Welche Routingoptionen bestehen und wie die Konfiguration für digitale Telefonie erfolgen sollte, erzählen wir im vierten Teil der Reihe „Netzwerkoptimierung für Teams“. Mit den Themen Medienqualität, Verbindungsprinzipien und Optimierungsmaßnahmen haben wir uns bereits in den ersten drei Blogbeiträgen befasst.


Microsoft Phone System


Bei der Nutzung des Microsoft Phone Systems für die PSTN Telefonie wird die Amtsanbindung direkt innerhalb der Microsoft Cloud realisiert. Die Kommunikationspfade entsprechen hier dem regulären Microsoft 365 Traffic und sind entsprechend der vorangegangenen Maßnahmen zu optimieren. Das Routing kann als Direct Routing, via Media Bypass, mit standortbasiertem Routing oder einem Location Information Service (LIS) für Notrufe erfolgen.



Direct Routing


Mit Direct Routing werden lokale „Session Border Controller“ (SBC) an die Microsoft 365 Cloud via SIR/RTP angebunden. Der Vorteil daran? Bestehende IP-basierte Amtsanschlüsse können weiterhin betrieben werden. Wenn kein Media Bypass konfiguriert ist, vermittelt der SBC ein- und ausgehenden „Voice over IP“-Traffic (VoIP) an die Microsoft 365 Cloud weiter. Das Gespräch wird dann über die Cloud an den Teams Benutzer weitervermittelt.

Teams Direct Routing mit einem SBC



Media Bypass


Die Aktivierung des Media Bypass erlaubt die direkte Übertragung von Medienströmen zwischen SBS und Teams Client. Dadurch vermeidet man Umwege und minimiert das Risiko von Latenzen. Bei der Übertragung sollte die Beeinträchtigung durch Firewalls und andere Inspection Devices vermieden werden. In diesem Szenario empfehlen wir dringend den Einsatz von QoS Queues.


Teams Routing via Media Bypass



Standortbasiertes Routing


Um Anrufe anhand eines Standorts zu routen („Location Based Routing“), muss die Netzwerktopologie der Organisation im Teams Admin Center eingepflegt werden. Hierzu können mehrere Regionen mit den jeweils zugehörigen Standorten (Sites) angelegt werden. Jeder Standort verfügt über eine Liste der zugehörigen Subnetze und eine externe IP-Adresse über welche die Kommunikation mit der Microsoft 365 Cloud abgewickelt wird. Anhand des Standortes wird identifiziert, welcher SBS für die Abwicklung der PSTN Telefonie optimal ist. Zusätzlich werden die lokalen Wahlregeln (Dialplan) und Richtlinien angewendet (Policies).


Netzwerk Topologie bei standortbasiertem Routing



Local Media Optimization


Local Media Optimization erweitert das vorher beschriebene Direct-Routing-Szenario mit der Einbindung von weiteren Session Border Controllern und Mediagateways, die keine direkte Anbindung an die M365 haben.


Darstellung eines Netzes mit Local Media Optimization



In der obenstehenden Grafik verfügt der Außenstandort über keinen lokalen Internetbreakout. Lediglich ein SIP-Trunk (ggf. auch ISDN Anschluss) ist als PSTN-Anbindung verfügbar. Der Downstream SBC leitet in diesem Szenario die Signalisierung an den Upstream SBC in der Zentrale weiter, welcher wiederum die Signalisierung mit der M365 Cloud übernimmt. Der Medienverkehr in Richtung PSTN erfolgt lokal am Außenstandort zwischen Teams Client und Downstream SBC. Die Auswahl des zum User gehörenden SBC ist vergleichbar mit dem „Location Based Routing“ und erfolgt via Netzwerk, WLAN oder Region. Externe User und User, die an mehreren Standorten tätig sind, können entweder dynamisch den nächsten SBC nutzen oder an den SBC ihres Heimatstandortes gebunden werden, sodass die Telefonie immer über den Heimat-SBC erfolgt.



Location Information Service (LIS) für Notrufe


Um Notrufen abzuwickeln, müssen Netzwerkobjekte mit realen Standortadressen verknüpft werden. Im Teams Admin Center können hierfür Subnetze, Chassis IDs von Netzwerkswitchen, Switchports oder WLAN SSIDs hinterlegt werden. Jedes Netzwerkobjekt wird mit der Adresse des Standortes verknüpft und erhält ein zusätzliches Identifizierungsmerkmal, z.B. eine Stockwerk- oder Raumnummer.


Darstellung eines LIS für Notrufe


Beim Start prüft der Client automatisch, ob LIS Informationen vorliegen. Die Bestimmung von Chassis ID und Port erfolgt über eine Link-Layer-Discovery-Protocol (LLDP) Abfrage. Subnetz und WLAN-SSID werden aus dem Betriebssystem ausgelesen. Die gewonnenen LIS Informationen werden mit der Location Database in der Microsoft 365 Cloud abgeglichen. Wird eine Übereinstimmung festgestellt, werden automatisch die entsprechenden Notrufrouting- und Wahlrichtlinien (Policies) gesetzt. Danach wird ein Notruf über den lokalen SBC an die für den Standort zuständige Rettungsleitstelle weitergeleitet. In den Richtlinien kann man ebenfalls konfigurieren, ob die Sicherheitswarte (Security Desk) benachrichtigt werden soll.



Sneak Peak: Assessment und Monitoring für Microsoft Teams


Um den Erfolg der in den letzten Blogbeiträgen angesprochenen Optimierungsmaßnahmen zu überprüfen, müssen davor bzw. danach Assessments durchgeführt werden. Im fünften Blogbeitrag stellen wir euch daher den Network Planner, das Skype for Business Network Assessment Tool und das Call Quality Dashboard vor.


Autor: Jan Böckelt, UC Consultant (Microsoft Teams, Microsoft 365, Skype for Business)


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